Das Chip & Charge Thema der Woche #16: Zverev und Kerber in Rom

Was diese Woche bisher geschah

Wenig überraschend haben sich die Reihen in der WTA in Rom schon gelichtet, so wie bisher bei den meisten großen Turnieren. Über Angelique Kerber sprechen wir unten noch, Victoria Azarenka hatte bei ihrer Niederlage gegen Irina Begu mit Rückenproblemen zu kämpfen. Sie wird hoffen noch vollkommen fit zu werden für die in zehn Tagen beginnenden French Open. Simona Halep hat es auch zum Auftakt  gegen Daria Gavrilova erwischt. Wir hatten es schon in der letzten Sendung angemerkt. Halep schafft es selten einem großen Turniersieg eine gute nächste Woche folgen zu lassen. Petra Kvitova schied gegen eine der wenigen Spielerinnen aus, die es bei der Schlagwucht mit ihr aufnehmen können: Madison Keys.

Positiv aufgefallen sind Svetlana Kuzentsova mit sehr soliden Siegen gegen Caroline Garcia und Sam Stosur sowie die im Eiltempo siegenden Joe Konta, Jelena Ostapenko und Garbine Muguruza. Muguruza ist die Spielerin neben Serena Williams auf die sich meisten Augen richten werden für den Rest der Woche. Kann sich die Spanierin noch rechtzeitig vor den French Open in Stellung bringen? Die nächsten Matches gegen Ostapenko und dann im Viertelfinale gegen Carla Suarez-Navrro oder Timea Bacsinszky dürften die Antwort geben.

Bei den Herren ist Jo-Wilfried Tsonga wegen Muskelproblemen nicht angetreten. Alle anderen Top 10 Spieler haben sich schadlos gehalten. Interessant natürlich der Sieg von Nick Kyrgios gegen Milos Raonic. Schon in Miami hat der junge Australier gegen Raonic gewonnen, hier folgte der zweite Streich des Jahres. Durchaus beeindruckend wenn man bedenkt, dass Raonic auf Asche wesentlich erfahrener ist. Als nächstes geht es gegen Rafael Nadal. Da war doch was, oder? Richtig beim einzigen Aufeinandertreffen der beiden schlug Kyrgios einen der Winner schlechthin.  Sollte Nadal gewinnen spielt er höchstwahrscheinlich am Freitag gegen Novak Djokovic.

Thema der Woche – Zverev und Kerber in Rom

Fast zeitgleich spielten gestern Alexander Zverev und Angelique Kerber ihre Zweitrundenmatches in Rom. Für Zverev ging es zum ersten Mal gegen Roger Federer und für Angelique Kerber gegen die Kanadierin Eugenie Bouchard.

Für Bouchard gab es den dritten Sieg in Folge gegen Kerber, nach Erfolgen bei den French Open 2014 und Wimbledon im selben Jahr. Fast hätte Kerber dabei einen ähnlichen Abschuss erlitten wie in Roland Garros vor zwei Jahren als sie mit 1:6 und 2:6 verlor. Wie damals hatte Kerber auch dieses Mal Probleme mit dem Return von Bouchard. Die Kanadierin ist keine Edeltechnikerin schafft es aber – entsprechendes Selbstvertrauen voraus gesetzt – extrem aggressiv zu returniern, in dem sie den Ball so früh wie möglich nimmt. Gerade den zweiten Aufschlag Kerbers wischte sie auch gestern ein ums andere Mal weg.

Ende des ersten Satzes empfahl Trainer Torben Beltz, dass Kerber mehr auf den Körper von Bouchard aufschlagen sollte. Es dauerte bis zum 0:3 im zweiten Satz bis Kerber den Hinweis beherzigte. Danach konnte sie die Direktangriffe Bouchards eindämmen und die Kanadierin verlor Übersicht und Nerven. Zwar hätte sie trotzdem noch fast das Match in zwei Sätzen gewonnen, aber eine stabilere Kerber holte sich dann doch das Break zum 7-5 Satzgewinn.

Der dritte Satz hatte ein hohes Niveau, es beeindruckte die Nervenstärke und der Fokus von Bouchard, die sich auch von eigenen Fehlern nicht von weiteren aggressiven Angriffen abhalten ließ. Am Ende gewann die Kanadierin zu Recht, weil sie es war, die immer wieder Risiko einging. Für Kerber bleiben Positives und Negatives nach dem Match. Wichtig für das eigene Selbstvertrauen war sicherlich das Comeback im zweiten Satz und das hohe spielerische Niveau im dritten Satz. Doch frustrieren wird Kerber, dass sie im dritten Satz in den entscheidenden Phasen nicht auf Angriff stellen konnte. Das Match lag auf dem Racket von Bouchard.

Kerber bekommt noch eine weitere Chance zur Vorbereitung auf die French Open, nächste Woche in Nürnberg. Allzu große Sorgen muss sie sich auch nicht machen vor dem zweiten Grand Slam Turnier des Jahres. Sie gehört zum erweiterten Favoritinnenkreis, weil sie in Australien gezeigt hat, dass sie sich in fast ungeahnte Höhen steigern kann bei einem Grand Slam Turnier. Außerdem scheint das Feld so offen wie bei kaum einem Grand Slam Turnier in der näheren Vergangenheit. Was aber eben auch daran liegt, dass keine der Damen bisher in dieser Sandplatzsaison große Konstanz zeigen konnte, Kerber eingeschlossen. Es ist also auch in Paris alles möglich: Von früher Niederlage bis hin zum nächsten Titelgewinn.

Um den Titel wird Alexander Zverev nicht spielen in Paris. Aber im Match gegen Roger Federer zeigte er trotzdem, warum viele von ihm einen steten Aufstieg in den nächsten Jahren erwarten aber eben auch, wo noch Arbeit zu erledigen ist. Federer sagte nach dem Match, dass er wegen der anhaltenden Rückenprobleme eine Niederlage in zwei Sätzen gegen den jungen Deutschen erwartet hatte und sich überhaupt erst nach dem finalen Einschlagen zum Antreten entschied. Auf dem Platz merkte man Federers Rückenprobleme vor allem beim ersten Aufschlag, es fehlten 10 bis 20 Kilometer pro Stunde. Was Federer allerdings mitbrachte waren Präzision und Spielintelligenz. Gerade im ersten Satz spielte er ein ums andere Mal erfolgreiche Stoppbälle. Ein probates Mittel gegen einen Spieler wie Zverev, der einfach zu weit hinter der Grundlinie stand. Auch sonst zeigte sich Federer gedankenschnell, erspielte sich seine Punkte planvoll mit den gekonnt präzisen Schlägen.

Er ließ Zverev ins Leere laufen oder erspielte sich kurze Bälle von dessen Vorhand, um den Punkt dann am Netz abzuschließen. Im zweiten Satz war Zverev besser, der Aufschlag kam und er verlor vielleicht auch einiges der vorher gezeigten Ehrfurcht. Es schien auch als wenn das Match noch kippen könnte gegen einen offensichtlich müder werdenden Federer. Doch am Ende nutzte Federer eine seiner vielen Breakchancen. Für Zverev sollte das Match ein perfekter Anlass für ein verlängertes Videostudium sein: Was gibt es noch zu verbessern, welche Schwächen zeigt Federer in meinem Spiel auf? Für Federer selbst war der Sieg vor allem wieder eine Ansage an die jungen Wilden. Hielt doch mit dem Erfolg gegen Zverev eine beeindruckende Serie. Seit 2006 gegen Andy Murray hat Federer gegen keinen Teenager mehr verloren.

Ballwechsel der Woche

Gael Monfils ist natürlich Dauergast in dieser Kategorie. Kein Wunder, ist der Franzose doch das athletische Ausnahmetalent. In Rom war in der ersten Runde gegen Thomaz Bellucci Schluss, aber im Training unterhielt der 29-jährige das Publikum trotzdem.

Artikel der Woche

Auf The Tennis Island findet sich in dieser Woche neben den Berichten von Rene Denfeld aus Rom auch ein interessantes Interview mit Thalita Rodrigues. Die junge Brasilianerin spielt erfolgreich College Tennis in den USA, obwohl ihr der linke Unterarm fehlt. Sie spricht über ihren Siegeswillen, die spezielle Aufschlagstechnik und ihre tennisverrückte Familie.

Wir hören uns am Montag wieder auf meinsportradio.de zur nächsten regulären Ausgabe von Chip & Charge. Bis dahin noch viel Spaß!

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