Das Chip & Charge Thema der Woche #41: Die WTA Finals

Was diese Woche bisher geschah

Eine der drei Kandidatinnen für den letzten Startplatz bei den WTA Finals ist schon raus. Carla Suarez-Navarro musste gestern mit einer Handgelenksverletzung im zweiten Satz gegen Daria Gavrilova in Moskau aufgeben. Damit verbleiben nur noch Svetlana Kuznetsova und Johanna Konta. Konta spielt wegen einer Verletzung in dieser Woche nicht. Kuznetsova muss noch drei Matches beim Turnier in Moskau gewinnen, dann fährt sie nach Singapur.

Ebenfalls beim Turnier in Moskau gewann Julia Görges ihre ersten beiden Matches. Einen erstaunlichen Sieg davon tragen konnte die junge Russin Anna Blinkova – fünf Matchbälle wehrte sie gegen Anastasia Sevastova ab bevor sie 10:8 im Tiebreak des dritten Satzes gewann. Die Wimbledon Finalistin von 2015 bei den Juniorinnen ist sicherlich eine für die Zukunft. In Luxemburg war Andrea Petkovic zwei Mal erfolgreich und Sabine Lisicki verlor erst im dritten Satz nach guter Leistung gegen Caroline Wozniacki.

In Antwerpen trifft Jan-Lennard Struff heute mal wieder auf Gilles Simon. Schon zwei Mal gab es für Struff nur knappe Niederlagen gegen den Franzosen – unter anderem in der ersten Runde des Davis Cups im Jahr 2015. In Moskau bestreitet Philipp Kohlschreiber heute sein erstes Match der Woche. Der junge Russe Karen Khachanov, vor kurzem immerhin Debütantensieger auf der Tour, verlor in einem engen Match gegen Damir Dzumhur.

Das bestbesetzte Herrenturnier der Woche findet in Stockholm statt. Hier gewann Alexander Zverev gestern Abend sein erstes Match. Vorher teilte er mit, dass dies sein letztes Turnier fürs Jahr 2016 sein würde. Zverev wird also weder in Wien, Basel noch beim Masters in Paris antreten. Zwar hätte sich Zverev noch eine eine Top 16 Platzierung für die Setzliste der Australian Open sichern können. Aber schon im Sommer zeigte sich ja, dass Zverev nach den intensiven ersten Monaten des Jahres eine Pause gebrauchen kann. Ebenfalls in Stockholm gewann Juan Martin del Potro zum Auftakt gegen John Isner.

Thema der Woche – Die WTA-Finals

Wie schon in den Vorjahren kann auch in diesem Jahr der Eindruck entstehen, dass sich die Topdamen den WTA Finals entgegen schleppen. Doch eigentlich hatte das Jahresendturnier in der näheren Vergangenheit fast immer interessante Matches und Geschichten zu bieten. Dieses Mal fehlen mit Serena Williams und Victoria Azarenka zwei der prägenden Namen des Jahres. Außerdem wird die letzte Teilnehmerin, wie oben vermerkt, erst noch in dieser Woche gesucht. Hier ein paar Gedanken zu den sieben schon feststehenden Teilnehmerinnen.

Angelique Kerber geht als Favoritin in die Woche von Singapur – aber als eine Favoritin, die auch schnell ausscheiden kann. Für Kerber spricht die Konstanz bei den Grand Slam Turnieren und ihre gute Bilanz gegen Top 10 Spielerinnen in diesem Jahr (8-3). Gegen Kerber spricht hingegen die eher durchwachsene Bilanz beim Jahresendturnier in der Vergangenheit (noch kein Halbfinale bei drei Teilnahmen) und die offensichtliche Erschöpfung der letzten Wochen. Aber Kerber hat in diesem Jahr häufig genug gezeigt, dass sie bei den allergrößten Events auf den Punkt fit sein kann.

Agnieszka Radwanskas Höhen in dieser Saison waren bei weitem nicht so hoch wie die von Kerber. Aber durch ihren Sieg in Peking letzte Woche und die Absage von Williams hat sie sich noch auf Platz 2 im Race geschoben. Bei der Polin wird wohl viel von der Tagesform abhängen. Gegen fast alle anderen Teilnehmerinnen hat sie ausgeglichene Bilanzen (gg Kerber 6-5, gg Muguruza 3-4 und gg Cibulkova 7-6.). Gegen die beiden Debütantinnen Keys und Pliskova hat sie im direkten Vergleich mit 5-1 und 6-0 sogar ganz klar die Nase vorn. Allerdings überzeugte Radwanska in diesem Jahr meistens nicht, wenn es gegen andere Topspieleirnnen ging.

Simona Halep spielt seit dem Frühjahr ein ganz stabiles Jahr und hat positive Erinnerungen an ihr WTA Finals Debüt vor zwei Jahren in Singapur. Damals besiegte sie in der Vorrunde Serena Williams  und erreichte anschliessend das Finale. Im letzten Jahr gab es dann allerdings zwei Niederlagen in drei Matches. Das sollte dieses Mal nicht passieren – zu stabil ist die Form von Halep.

Karolina Pliskova hat bisher ein erstaunliches Jahr gespielt. Einem meist holprigen Start folgten einigermassen solide Resultate auf Sand und Rasen. Dann hatte sie ihren Durchbruch auf höchster Ebene in Cincinnati und bei den US Open. Fünf Siege gegen Top 10 Spielerinnen und ein Auftreten, das sie wie eine zukünftige Grand Slam Siegerin aussehen liess. Seitdem gelangen der Tschechin allerdings nur drei Siege in drei Turnieren. Kommt ihr Aufschlag in Singapur, sollte Pliskova zumindest eine Chance haben aus der Gruppe rauszukommen.

Die mit Abstand größte Wundertüte im ganzen Feld ist Garbine Muguruza. Verliert die Spanierin alle drei Matches in der Gruppenphase würden die meisten Beobachter wohl nur einmal kurz mit den Schultern zucken. Gewänne sie in Singapur wäre hingegen auch niemand überrascht. Die Leistungen nach den French Open waren nicht gut, die Leistungen in Paris wiederum absolut beeindruckend. Muguruza verletzte sich letzte Woche in Linz. Ist sie fit, wird zumindest niemand im Feld gegen sie spielen wollen.

Madison Keys war in den letzten Monaten erstaunlich konstant. Nur die ganz wichtigen Matches konnte sie nicht gewinnen. Keys verlor die Finals von Rom und Montreal und das Bronzemedaillenmatch bei den Olympischen Spielen. Auch bei den Grand Slam Turnieren gelang ihr kein großer Durchbruch – vier Mal war im Achtelfinale Schluss. Es gibt Spielerinnen im Feld, gegen die Keys sich bisher schwer tat (1-5 im direkten Vergleich gg Radwanska und 1-4 gg Kerber) und andere, gegen die es besser aussieht (3-0 gg Cibulkova und 2-0 gg Muguruza). Aber die Amerikanerin ist neben der noch nicht feststehenden, achten Spielerin sicherlich die größte Aussenseiterin im Feld.

Dass Dominika Cibulkova sich für die WTA Finals qualifizieren würde, war nicht unbedingt zu erwarten. Aber dank ihrer immer wieder beeindruckenden Resultate (Finals in Madrid und Wuhan, Viertelfinale in Wimbledon) schaffte sie es von Platz 38 zu Jahresbeginn nach Singapur. Cibulkova hat in diesem Jahr eine positive Bilanz gegen Top 10 Spielerinnen, auch wenn sie die wichtigsten Matches verlor. Hier dürfte Cibulkova eine gute Chance haben, zumindest das Halbfinale zu erreichen.

Ballwechsel der Woche

Wir sprachen die Ymer Brüder am Montag in der Vorschau an. Die beiden 18- und 20-Jahre alten Schweden gehören zu den größeren Talenten auf der Tour. Trotzdem ist es überraschend, dass der jüngere von beiden, Mikael, so klar zum Auftakt gegen Fernando Verdasco gewann, 6:2 und 6:1. Auch in seiner zweiten Runde gegen Ivo Karlovic verkaufte er sich teuer und gewann unter anderem diesen schönen Punkt. Wie sein Bruder Elias tendiert auch Mikael anscheinend dazu vor allem mit der Vorhand Druck zu machen.

Artikel der Woche

An dieser Stelle mal eine andere Art von Artikel. Die britische Seite sportdw schreibt immer wieder einfallsreich über Themen, die das Tennis betreffen. Vor zwei Jahren gab es zum Beispiel diese kluge Idee zur Neuregelung der Preisgeldstruktur auf der ITF-Tour der Damen. Jetzt hat der Schreiber zum zweiten Mal eine Umfrage zur öffentlichen Wahrnehmung von „fixing“ also dem Verschieben von Tennismatches veröffentlicht. Mehr als 300 Menschen nahmen teil, darunter wohl auch aktive und ehemalige Spieler und Spielerinnen. Die Umfrage fördert nichts weltbewegendes zu Tage – aber es lässt sich festhalten, dass die Tennisöffentlichkeit für das Thema sensibilisiert ist.

Wir hören uns am Montag auf meinsportradio.de wieder – dann mit einem Blick auf die vergangene Tenniswoche und natürlich unseren Einschätzungen zu den ersten Matches bei den WTA Finals. Bis dahin könnt ihr uns wie immer auf Twitter folgen!

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