Vorschau ATP World Tour Finals und Fed Cup Finale

Dieses Mal halten wir es mit dem Format etwas anders als sonst. Es gibt eine Doppel-Vorschau, sowohl für die ATP World Tour Finals, die am Sonntag in London beginnen, als auch das Fed Cup Finale, welches ab Samstag in Strasbourg ausgetragen wird.

ATP World Tour Finals (Live auf Sport 1+ und TennisTV)

Gruppe A 

Andy Murray ist der Formspieler des Turniers. Aber die Auslosung hat dem Weltranglistenersten keinen Gefallen getan. Zwar ist Murray gegen alle drei Gruppengegner der Favorit, er führt auch jeweils im direkten Vergleich. Allerdings besiegte Stan Wawrinka Murray letztes Jahr hier in London, während Marin Cilic und Kei Nishkiori beide in diesem Sommer gegen den Briten erfolgreich waren. Murray ist bei seiner Form natürlich trotzdem der Co-Favorit auf den Turniersieg, und dass obwohl er sich beim Jahresendturnier trotz acht Teilnahmen noch nie für das Endspiel qualifizieren konnte.

Wenn Murray der Formspieler ist, dann fällt Stan Wawrinka in die gegenteilige Kategorie. Seit dem US Open Sieg scheint die Luft beim Schweizer raus. Immerhin führt er im direkten Vergleich sowohl gegen Nishikori als auch gegen Cilic. Gegen den Kroaten gewann Wawrinka zuletzt sogar sechs Mal in Folge. Schafft es Wawrinka aus der Gruppe, kann es sogar den Titel gewinnen. Denn er ist der einzige Spieler im Feld, der sich jederzeit realistische Chancen gegen Murray und Djokovic ausrechnen kann.

Kei Nishikori verkaufte sich bei seinen beiden bisherigen Teilnahmen teuer. Der Belag in London erlaubte ihm zumindest in den Vorjahren sein schnelles und rhythmisches Spiel aufziehen. Nihikori wird wohl in jedes seiner drei Matches als (leichter) Außenseiter gehen. Man muss kein Experte sein, um festzustellen wie wichtig gerade die Matches gegen Wawrinka (h2h 2:4) und Cilic (h2h 7:5) werden. Was sich 2015 in London zeigte, und auch dieses Jahr wieder sein wichtig wird, ist der Aufschlag von Nishikori. Der Japaner sollte in der Lage sein Breaks rauszuspielen. Aber kann er auf dem vermutlich relativ langsamen Belag auch den eigenen Aufschlag beschützen?

Marin Cilic liegt im direkten Vergleich gegen alle drei Spieler hinten, vor allem gegen Wawerinka (2:10) und Murray (3:11) hat der Kroate bisher wenig Land gesehen. Aber die Form des Weltranglisten-7. in den letzten Wochen war beeindruckend. Cilic besiegte zudem Murray im Sommer in Cincinnati und Nishikori im Finale von Basel. Wenn er also seine Form nach London mitgebracht hat, sollte sich Cilic zumindest Chancen auf eine Halbfinalteilnahme ausrechnen.

Gruppe B

Die große Unbekannte im Feld ist zeitgleich auch der beste Spieler der letzten Jahre – Novak Djokovic. Niemand, vielleicht nicht mal Djokovic, weiß wie es zur Zeit um die Motivation des Australian Open und French Open Siegers bestellt ist. Wenn Djokovic so drauf ist, wie in den ersten sechs Monaten des Jahres, gewinnt der vierfache Titelverteidiger wahrscheinlich auch dieses Jahr in London. Aber selbst wenn Djokovic diese Woche abermals mit der Form kämpft, sollte er die Gruppenphase überstehen. Denn im direkten Vergleich gegen seine drei Gruppengegner führt Djokovic mit 23-1.

Nach dem Beginn des Jahres konnte man erwarten, dass Milos Raonic dauerhaft um Grand Slam Titel würde mitspielen. In Wimbledon reichte es dann auch zum Finale und der Kanadier hat durchaus sichtbare Fortschritte gemacht in seinem Spiel. Aber wie so häufig in diesem und den letzten Jahren, hat Raonic auch jetzt wieder mit einer Verletzung zu kämpfen. In Paris musste Raonic sein Halbfinalmatch wegen einer Muskelzerrung absagen. Selbst wenn er fit ist, könnte es für Raonic eng werden. Denn nicht nur Djokovic ist ein große, wenn auch für Raonic nicht unüberwindbare, Hürde. Auch Monfils hat trotz seines durchschnittlichen Returns das Spiel um Raonic zu schlagen. Ein frühes Ausscheiden ist durchaus möglich, ein überraschender Einzug ins Finale allerdings ebenso.

Gael Monfils ist einer von zwei Debütanten und hat sich mit vielen soliden Resultaten nach London gespielt. Stabil wie noch nie zog Monfils bei den US Open in das zweite Grand Slam Halbfinale seiner Karriere ein und hamstere viele Punkte bei ATP-Turnieren. Zwar hat es in diesem Jahr nur zu zwei Top 10 Siegen in acht Matches gereicht, aber darunter war ein Sieg gegen Raonic. In dieser Gruppe kann sich Monfils durchaus realistische Chancen auf das Halbfinale ausrechnen.

Dominic Thiem hat sicherlich die leichtere der beiden Gruppen erwischt. Doch selbst um sich hier durchzusetzen, wird der Österreicher eine ordentliche Leistungssteigerung im Vergleich zu den letzten Wochen brauchen. Immerhin, gegen Monfils gewann Thiem das bisher einzige Duell und auch gegen Raonic steht die Bilanz gerade einmal bei 0-1. Ganz wichtig wird für Thiem in dieser Woche der Return, denn mit Raonic und Djokovic stehen zwei sehr gute Aufschläger in seinem Weg. Gegen beide hat er sich bisher beim Rückschlag schwer getan.

Fed Cup Finale Frankreich – Tschechien

Dauergast Tschechien kann zum fünften Mal in den letzten sechs Jahren den Titel gewinnen. Das Team um Petra Kvitova ist favorisiert, gerade weil das Finale auf Indoor-Hartplatz gespielt wird. Mit den starken Sandplatz-Resultaten von Mladenovic und vor allem Garcia wäre Asche sicherlich eine gute Alternative für die Französinnen gewesen.

Immerhin hat Garcia schon mal gegen ihre Auftaktgegnerin Kvitova gewonnen (direkter Vergleich 1:2). Auch Mladeonvics direkter Vergleich mit Pliskova ist eng (1:1). Trotzdem gehen die Tschechinnen so lange Kvitova und Pliskova spielen in jedes der Einzelmatches als Favoritinnen. Gerade im Halbfinale gegen die Niederlande mussten Garcia und Mladenovic hart kämpfen aber zeigten trotzdem wieder, dass sie im Fed Cup über dem sonstigen, unsteten Level auf der Tour spielen. Allerdings müsste dieses Mal wohl eine Ausnahmeleistung in jedem der Einzelmatches her, damit es vor dem dann entscheidenden Doppel zumindest 2:2 steht.

Selbst dort wären Mladenovic und Garcia trotz ihrer beeindruckenden Bilanz (im Fed Cup noch ungeschlagen, French Open Sieg in diesem Jahr) nicht die klaren Favoritinnen. Denn wen auch immer die Tschechinnen aufstellen, sie würden ein Weltklassedoppel zusammen bekommen.

Wir sprechen über den Ausgang des Finales, die ersten Matches in London und was sonst noch in dieser Woche geschehen ist in der kommenden Sendung. Bis dahin euch ein schönes Wochenende!

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