Vorschau Davis Cup Finale

Es ist das letzte wichtige Tenniswochenende des Jahres – das Davis Cup Finale in Zagreb zwischen Kroatien und Argentinien. Daher hier – wie  bei allen wichtigen Ereignissen gewohnt – unsere Vorschau.

Der Kroate Borna Coric hat am Mittwoch endgültig zurück gezogen, weshalb die Teams folgendermaßen aussehen:

Kroatien: Marin Cilic, Ivo Karlovic, Ivan Dodig und Franko Skugor

Argentinien: Juan Martin del Potro, Federico Delbonis, Guido Pella und Leonardo Mayer.

Die Auslosung hat folgendes ergeben:

Freitag:

Marin Cilic – Federico Delbonis

Ivo Karlovic – Juan Martin del Potro

Samstag:

Ivan Dodig/Franko Skugor – Leonardo Mayer/Guido Pella

Sonntag

Marin Cilic – Juan Martin del Potro

Ivo Karlovic – Federico del Bonis

Wie immer beim Davis Cup sind die Ansetzungen für den Samstag und Sonntag nicht in Stein gemeißelt. Es kann sehr gut sein, dass die beiden Kapitäne an beiden Tagen ihre Aufstellungen noch ordentlich durch würfeln werden.

Eine Überraschung gab es auch schon. Denn der Belag ist laut dem argentinischen Kapitän Daniel Orsanic mittel-langsam. Für Orsanic ein Grund zur Freude, für andere wohl eher eine Überraschung. Denn das kroatische Team hätte von einem schnellen Platz sicherlich mehr profitiert als die argentinischen Gegner. Doch laut Juan Martin del Potro sind die Gastgeber trotzdem Favoriten.

Sehr viel wird dabei sicherlich von Marin Cilic abhängen. Bei den ATP World Tour Finals lief beim Weltranglisten-6. nicht viel zusammen. Zwar besiegte er in einem bedeutungslosen Match noch Kei Nishikori. Doch davor gab es relativ deutliche Niederlagen gegen Andy Murray und Stan Wawrinka. Im zweiten Halbjahr ist die Form des 28-jährigen allerdings gut gewesen. Der Kroate gewann in Cincinnati und Basel und erreichte in Wimbledon das Viertelfinale. Im Davis Cup steht die Bilanz in 2016 im Einzel bei 4-2.  Die Niederlagen kamen gegen David Goffin und Jack Sock zu Stande. Im direkten Vergleich liegt Cilic gegen del Potro mit 2-8 hinten. Allerdings sind die beiden seit 2013 nicht mehr aufeinander getroffen. Gegen die anderen drei Argentinier steht Cilics Bilanz insgesamt bei 6-0. Idealerweise holt Cilic drei Punkte für die Kroaten – zwei sollten es aber mindestens sein. Im Einzel gegen Delbonis und im Doppel mit Ivan Dodig.

Ivo Karlovic war nach Verletzungsproblemen schlecht ins Jahr gekommen. Doch seit dem Sieg in Newport im Juli läuft es wieder bei dem 37-jährigen. Nach dem starken zweiten Halbjahr schliesst er 2016 in der Weltrangliste immerhin auf Platz 20 ab, vor Spielern wie David Ferrer, Alexander Zverev und Gilles Simon. Karlovic trat eigentlich vor vier Jahren aus dem Davis Cup zurück, ist aber auf Grund der Verletzungsprobleme der Kroaten noch einmal daabei. Sein letztes Einzelmatch spielte er im Jahr 2012 im Viertelfinale gegen Juan Martin del Potro. Damals gab es eine ganz klare Niederlage auf Sand. Gegen del Potro hat Karlovic bisher auch sonst im direkten Vergleich nicht viel Land gesehen. 1-4 liegt Karlovic hinten, verlor zuletzt vor ein paar Wochen in Stockholm gegen den Argentinier. Besser sieht es hingegen gegen Federico Delbonis aus Dort führt Karlovic mit 3-1, gewann im September 7:6 6:7 7:6 in Tokio gegen Del Bonis. Das wird dann auch die Aufgabe für Karlovic sein. Am Freitag del Potro beschäftigen, vielleicht irgendwie den Überraschungssieg schaffen und am Sonntag – falls es dazu kommt – Delbonis im entscheidenden, fünften Match schlagen.

Im Notfall könnte auch Ivan Dodig für die Kroaten zum Einsatz kommen. Immerhin hält Dodig noch die beachtliche Position 116 im Einzelranking. Einer für große Matches ist der 31-jährige durchaus. Sein denkwürdigster Sieg im Einzel kam im Jahr 2011 als er Rafael Nadal beim Rogers Cup 1:6 7:6 7:6 besiegte. Doch die Hauptaufgabe für Dodig wird es an diesem Wochenende sein, das Doppel zu gewinnen. Es wäre schon sehr überraschend, wenn er dafür nicht Marin Cilic an die Seite gestellt bekäme. Die beiden haben in diesem Jahr im Davis Cup immerhin die Bryan Brüder und Pierre Hugues-Herbert/Nicolas Mahut besiegt. Sollte Cilic sich verletzten oder doch für Sonntag geschont werden, könnte auch Franko Skugor spielen. Beileibe kein schlechter Doppelspieler. Aber an diesem Wochenende wahrscheinlich nur Zuschauer.

Juan Martin del Potro hat in diesem Jahr ein erstaunliches Comeback geschafft. Jeder hat von der olympischen Silbermedaille gehört. Doch eine der beeindruckendsten Leistungen schaffte del Potro im Halbfinale des Davis Cups. Er besiegte im Einzel Andy Murray und forderte keine 24 Stunden später die beiden Murrays im Doppel mit Leonardo Mayer. An diesem Wochenende ist del Potro der Favorit in beiden Einzeln, dafür sind die direkten Vergleiche gegen Cilic und Karlovic zu klar. Allerdings bräuchte ihn das Team eigentlich auch im Doppel. Denn dort besiegte er in diesem Jahr an der Seite von Guido Pella im Viertelfinale die Italiener Paolo Lorenzi und Fabio Fognini. Del Potro ist der beste Einzel- und Doppelspieler des Teams. Aber kann er wirklich schon drei Tage am Stück spielen? Zweifelhaft.

Federico Delbonis wurde dereinst durchaus viel zugetraut. Und auch wenn der 26-jährige bisher nicht enttäuschte, hat es doch zum großen Durchbruch nicht gereicht. Delbonis könnte der Hauptprofiteur der langsameren Bedingungen werden. Denn bei seinen großen Schwüngen ist Delbonis eher jemand für Sand und langsame Hardplätze. Der einzige Titel des Jahres kam dann auch auf Sand in Marrakech. Trotz seiner Größe macht Delbonis nicht genug mit seinem Serve, dafür kann er mit der Linkshändervorhand viel Druck entwickeln. Delbonis war in seinen beiden Matches gegen Marin Cilic bisher chancenlos. Gegen Karlovic reichte es auch nur zu einem Sieg – bei den Australian Open im Januar als Karlovic verletzt aufgeben musste. Trotzdem werden die Argentinier hoffen, dass Delbonis wie schon im Viertelfinale über sich hinaus wächst. Damals besiegte er sowohl Fabio Fognini als auch Andreas Seppi.

Guido Pella hat in diesem Jahr wieder hart gearbeitet. Aber gerade in den letzten Monaten kamen dabei nicht allzu viele Siege herum. Denn Pella ist jemand, der sich schwer tut auf Belägen bei denen der Ball kaum hoch springt. Trotzdem könnte Pella ein Option für das Doppel oder das entscheidende fünfte Match am Sonntag sein. Immerhin gewann er in diesem Jahr sowohl gegen Michal Przysiezny im Achtelfinale als auch im Halbfinale gegen Kyle Edmund.

Der wahrscheinlichste Doppelspieler für die Argentinier ist allerdings wohl Leonardo Mayer. Der 29-jährige spielte immerhin im Achtelfinale und Halbfinale. Sein Spiel ist auch eher für Hallenböden geschaffen, als dass von Pella. Mayer ist allerdings in diesem Jahr in der Einzelweltrangliste von Platz 35 auf 137 abgerutscht. Zuletzt spielte er sich auf der Challenger Tour wieder in Form.

Insgesamt sind die Kroaten bei der oben beschriebenen Konstellation sicherlich Favoriten. Ein 3-1 oder 3-2 Sieg scheint der wahrscheinlichste Ausgang fürs Wochenende. Wir werden uns auf jeden Fall in der kommenden Chip & Charge Folge alles ausführlich analysieren. Wie immer auf meinsportradio.de zu hören oder als Podcast auf iTunes.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.