Die Chip & Charge Wochenvorschau #3/2017

Natürlich gibt es auch dieses Mal eine Wochenvorschau. Doch wie schon in Wimbledon und bei den US Open fokussieren wir uns nicht auf das komplette Turnier. Vielmehr bieten wir euch eine kurze Analyse aller Erstrundenpartien der DTB-Spieler und -Spielerinnen in Melbourne. Die Matches sind nach Wochentag sortiert. In Klammern haben wir hinter jeder Partie notiert wie es im direkten Vergleich steht.

Montag 

Angelique Kerber – Lesia Tsurenko (1:0)

Lesia Tsurenko hat bisher in 2017 mehr Matches gewonnen als Angelique Kerber. Während die Jahresbilanz für Kerber bei 1-2 steht, setzte die 27-jährige Ukrainern letzte Woche in Hobart ihre gute Form aus dem vergangenen Herbst fort. Tsurenko gewann drei Spiele, bevor sie krankheitsbedingt vor dem Halbfinale aufgeben musste. Tsurenkos Bilanz von 5-10 gegen Top 10 Spielerinnen ist erstaunlich gut, gerade dafür dass sie in der Weltrangliste noch nie höher als Platz 33 notiert wurde. Die Ukrainerin hat eine feine Rückhand und wird Kerber unter Umständen auch in Nöte bringen können. Aber sobald Kerber konstant die wackligere Vorhand der Ukrainern ins Visier nehmen kann, sollte sie sich durchsetzen.

Annika Beck – Ashleigh Barty (0:0)

Barty galt einst als kommender Star des australischen Tennis. Immerhin zeigte sie schon als Teenagerin erstaunliche Variabilität, und dass auch noch gepaart mit einem guten Ballgefühl. Doch für Barty war der Druck wohl zu groß. Erst nach einer mehr als 12-monatigen Pause kehrte die mittlerweile 20-jährige Anfang letzten Jahres ganz langsam ins Profitennis zurück. In Brisbane überzeugte Barty gegen Angelique Kerber und ist hier sicherlich die leichte Favoritin gegen Beck. Die Bonnerin hat nur zwei ihrer zehn letzten Matches gewonnen. In diesem Jahr hat es bisher sogar nur zu neun Spielgewinnen in zwei Matches gereicht. Zwar kann Beck hoffen, Barty mit ihrer Konstanz zu Fehlern zu zwingen. Aber eigentlich sollte Beck das Match als Chance sehen genau jenes Angriffstennis zu zeigen, welches sie im ersten Halbjahr von 2016 immer mal wieder erfolgreich aufblitzen liess.

Mona Barthel – Destine Aiava (0:0)

Ein Match das in Australien viel Aufmerksamkeit erhalten wird. Schließlich gewann die Lokalmatadorin Aiava beim Turnier in Brisbane als erste in den 2000er geborene Spielerin ein WTA-Hauptfeldmatch. Trotzdem ist Barthel nach überstandener Qualifikation natürlich Favoritin. Macht Barthel nicht zu viele Fehler und geht souverän mit ihrer Stellung als erfahrenere und bessere Spielerin um, sollte sie sich durchsetzen – trotz des guten Aufschlages und der durchaus bemerkenswerten Grundschläge ihrer jungen Gegnerin.

Carina Witthoeft – Eri Hozumi (0:0)

Hozumi feiert am Montag ein Debüt. Denn die 22-jährige hat noch nie ein Grand Slam Hauptfeldmatch bestritten. Die Nummer 217 in der Weltrangliste rutschte hier in Melbourne nur als Ersatzfrau in die Qualifikation, setzte sich dort allerdings souverän durch. Doch Witthoeft ist eine andere Hausnummer. Denn Hozumi hat noch keinen Top 100 Sieg in ihrer Karriere zu Buche stehen. Witthoeft ist nicht ideal ins Jahr gekommen, konnte sich sowohl in Brisbane als auch Sydney nicht in der Qualifikation durchsetzen, ist hier aber die verdiente Favoritin.

Laura Siegemund – Jelena Jankovic (0:0)

Siegemund gegen Jankovic, das ist sicherlich einer der kleinen Blockbuster des ersten Turniertages. Schon im letzten Jahr trafen die beiden bei den Australian Open aufeinander. Damals setzte sich Siegemund in einem unterhaltsamen und engen Match durch und gab die Richtung fürs Jahr vor. In 2017 sind sowohl Jankovic als auch Siegemund nicht gut in die Saison gekommen, beide Spielerinnen konnten noch kein Match gewinnen. Obwohl Jankovic mehr als 20 Plätze in der Weltrangliste hinter Siegemund notiert ist, dürfte die Serbin leichte Favoritin sein. Denn die Form von Jankovic im Herbst war gut. Körperlich fit und mit gewohnt gutem Rückhandspiel überzeugte die ehemalige Weltranglistenerste auf der Asientour.

Julia Görges – Katerina Siniakova (0:0)

Zwar konnte Görges bei der Auslosung eine gesetzte Spielerin vermeiden, aber die Auftaktgegnerin ist trotzdem mehr als unangenehm. Die 20-jährige Tschechin kann ihr Potential noch nicht jede Woche abrufen. Aber seit letzten Sommer zeigt Siniakova, warum ihr Weg dereinst mal in die Top 10 führen wird. Zum Jahresauftakt gewann die Tschechin mit gewohnter Übersicht und Variabilität das Turnier in Shenzhen. Dabei gelangen Siniakova zwei Top 10 Siege. Das Match gegen Görges könnte auf der Rückhand entschieden werden. Schafft es Siniakova mit der eigenen starken Rückhand Görges in der schwächeren Rückhandseite festzunageln, dürfte Siniakova gewinnen. Doch erwischt Görges einen guten Aufschlagstag und kann ihr eigenes Powerspiel mit der Vorhand aufziehen, dürfte sie wie immer seit 2010 mindestens die zweite Runde in Melbourne erreichen.

Mischa Zverev – Guillermo Garica-Lopez (1:1)

Der einst so konstante Spanier konnte nur eines der letzten zehn Matches gewinnen. Garcia-Lopez hat schon einige große Siege in seiner Karriere geschafft, unter anderem gegen Stan Wawrinka, Andy Murray und Rafael Nadal. Doch die Batterie scheint im Moment beim 33-jährigen etwas leer zu sein. Garcia-Lopez bringt an guten Tagen viele, tiefe Bälle im Court unter. Aber gegen den formstarken Zverev dürfte das nicht reichen. Denn der 29-jährige hat im Moment enormes Vertrauen ins eigene Spiel. Gewinnt Zverev am Montag wäre dies übrigens erst der zweite Hauptfeldsieg seiner Karriere bei den Australien Open. Letztes Mal gelang ihm dies im Jahr 2007, in vier Sätzen gegen Michael Berrer.

Dienstag 

Andrea Petkovic – Kayla Day (0:0)

Day, erst seit Ende September 17 Jahre alt, gewann im letzten Jahr den Juniorinnenwettbewerb bei den US Open. Schon beim Turnier in New Heaven hatte sie mit zwei Top 100 Siegen auf sich aufmerksam gemacht. Im Herbst gelang Day dann der Titelgewinn beim Challenger Turnier in Macon und der Einzug unter die Top 200 der Welt. Auch wir kennen Day nur aus Videos, der Aufschlag sieht gut und die Linkshändervorhand variabel aus.   Trotzdem ist Petkovic natürlich klare Favoritin, und dass obwohl der Start ins Jahr höchstens durchschnittlich war. Doch Petkovic setzte sich in den letzten Jahren in der ersten Runde von Grand Slam Turnieren fast immer durch, wenn es gegen Gegnerinnen mit einem niedrigeren Ranking ging. Das sollte trotz des erwartenden, harten Stück Arbeit auch dieses Mal der Fall sein.

Philipp Kohlschreiber – Nikoloz Basilashvili (0:0)

Kohlschreiber musste letzte Woche verletzt das Viertelfinale in Auckland absagen. Ein Ärgernis für den 33-jährigen, der in der neuseeländischen Millionenstadt sicherlich um den Titel hätte mitspielen können. Doch die Teilnahme bei den Australian Open ist wohl nicht gefährdet. Basilashvili hat sich in den letzten zwei Jahren auf durchaus beeindruckende Art und Weise in die Top 100 gearbeitet. Aber in seiner Karriere gelangen dem Georgen bisher gerade einmal zwei Top 50 Siege. Das dürfte gegen Kohlschreiber, der zwar in 2016 bei Grand Slams mehr als gewohnt gegen Gegner mit einem niedrigeren Ranking wackelte, sich aber in den Vorjahren souverän zeigte, nicht reichen.

Alexander Zverev – Robin Haase (1:0)

Robin Haase siegte gerade erst in Auckland gegen David Ferrer. Aber Alexander Zverev dürfte kein Gegner sein, auf den der 29-jährige Niederländer sich freut. Denn beim einzigen Aufeinandertreffen gab es eine böse 6:2 6:0 Klatsche für Haase. Das war damals durchaus eine Sensation, passierte Zverevs Sieg doch im Jahr 2014 beim Turnier in Hamburg als 19-jährige zum ersten Mal so richtig auf sich aufmerksam machen konnte. So klar wie damals wird Zverev am Dienstag nicht gewinnen. Aber der Belag in Australien dürfte für die Schwünge von Haase etwas zu schnell und die Form von Zverev zu gut sein.

Florian Mayer – Rafael Nadal (1:2)

Ein Highlight für Mayer, allerdings eines welches wohl nicht zum idealen Zeitpunkt kommt. Denn der 33-jährige ist mit zwei äußerst engen Niederlagen ins Jahr gestartet. Sowohl gegen Horacio Zeballos als auch Paolo Lorenzi verlor Mayer im Tiebreak des dritten Satzes, und dass obwohl er jeweils als Favorit ins Match gegangen war. Mayer hat sich bisher gegen Nadal gut verkauft, schließlich sind seine Rhythmuswechsel selbst für den Spanier äußerst unangenehm. Der ehemalige Weltranglistenerste hat in den letzten zwei Jahren häufig Matches hergegeben gegen Spieler, die er einst im Griff hatte. Doch hier würde Mayer wohl einen Ausnahmetag beim Serve brauchen, um wirklich eine Chance zu haben.

Dustin Brown – Milos Raonic (0:1)

Es gibt wohl kaum zwei Spieler auf der Tour deren Ruf so unterschiedlich ist, wenn es um das spielerische Flair geht. Raonic mag für viele Fans eher dröge sein. Doch das durchkalkulierte Angriffstennis des Kanadiers ist fast immer erfolgreich. Schon bei den US Open im letzten September trafen Raonic und Brown in der ersten Runde aufeinander. Der Hype war relativ groß, aber Raonic machte aus dem Match keine Zirkusveranstaltung sondern einen weiteren Verwaltungsvorgang. Ähnlich dürfte es auch dieses Mal laufen – ein solider 3- oder 4-Satzsieg für Raonic.

Jan-Lennard Struff – Dominic Thiem (1:1)

Ein Match mit Überraschungspotential. Denn Struff hat Thiem nicht nur schon einmal vor zwei Jahren in Auckland besiegt, die Form des Wursteiners ist zudem gut. In Doha spielte Struff ein bemerkenswertes Match gegen Novak Djokovic, beim Challenger in Canberra reichte es zum Finaleinzug. Gegner Thiem tut sich hingegen noch etwas schwer im neuen Tennisjahr. Kommt bei Struff der Aufschlag nicht, dürfte sich Thiem trotzdem klar durchsetzen. Erwischt der 26-jährige Deutsche hingegen einen guten Tag beim Serve, dann dürfte er sich tief in diese Partie hineinarbeiten können. Ob Struff dann die Nerven hätte um einen der größten Siege seiner Karriere zu schaffen, müsste sich allerdings erst noch zeigen.

Tommy Haas – Benoit Paire (0:0)

Das Haas und Paire noch nie in ihrer Karriere gegeneinander gespielt haben, zeigt wohl wieder ein Mal wie sehr sich der Deutsche in den vergangenen Jahren mit Verletzungen rumgeschlagen hat. Obwohl Paire zu unerklärlichen Niederlagen neigt, und sich trotz großem Talent oft auf dem Platz quält, ist der Franzose natürlich Favorit. Haas gab beim Schauturnier Kooyong Classic letzte Woche sein Comeback und spielte wohl recht anständig. Aber ein Match auf ATP-Ebene ist natürlich noch mal ein anderes Kaliber. Unterhaltung, gerade in den Rückhandduellen, dürfte trotzdem garantiert sein.

Wir lesen uns bald an dieser Stelle wieder. Bis dahin könnt ihr uns wie immer auf Twitter folgen und natürlich bei den täglichen „Daily Down Under“ Folgen auf meinsportradio.de (auch als Podcast erhältlich) zuhören.

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