Vorschau aller Erstrundenmatches der DTB-Profis in Wimbledon

Wie in den Vorjahren gibt es auch dieses Mal eine Vorschau aller Erstrundenpartien der DTB-Profis in Wimbledon. An dieser Stelle natürlich noch ein Verweis auf die tägliche Zusammenfassungs – und Analysesendung „Erdbeerzeit mit Chip & Charge“ – jeden Abend auf meinsportradio.de und als Podcast erhältlich. Dieses Jahr sogar mit einer Chance, ein Original Wimbledon Handtuch zu gewinnen.

Montag

Dustin Brown – Joao Sousa

Beide Spieler kommen nicht in der erhofften Form nach Wimbledon. Brown wird auf Platz 117 der Jahresrangliste notiert und Sousa auf Platz 69 – jeweils ein gutes Stück hinter der aktuellen Weltranglistenposition. Sowohl Brown als auch Sousa ließen zudem zuletzt in Halle Chancen liegen. Brown hätte Bautista-Agut besiegen können und Sousa einen anderen Deutschen, Philipp Kohlschreiber. Was ist also zu erwarten von diesem Match? Der direkte Vergleich steht bisher bei 1-1 und relativ eng dürfte es auch am Montag zugehen. Sousa hat nicht den einen, beeindruckenden Gewinnschlag im Spiel, nicht so viele Möglichkeiten wie Brown. Aber er ist solider, bewegt sich gut, ist einfach jemand, den man erst Mal schlagen muss. Daher wird es an Brown liegen, das Besondere zu bringen.

Tommy Haas – Ruben Bemelmans

Nicht der ganz große Name zum Auftakt für Haas. Aber sollte er sich gegen den Belgier durchsetzten, könnte es für Haas in der zweiten Runde gegen Stan Wawrinka gehen. Doch Bemelmans ist der klassische Gegner über den sich auf dem Weg zu Größerem stolpern lässt. Der 29-jährige spielt wieder ein solides Jahr, könnte zum Saisonabschluss unter den Top 100 stehen. Er schaffte es hier relativ souverän durch die Quali, hat einen schönen, wenn auch nicht immer effektiven Linkshänderaufschlag und arbeitet gut mit Winkeln. Um zu gewinnen wird Haas seinen Gegenüber beschäftigen, wegdrängen müssen. Das sollte ihm an einem guten Tag auch gelingen. Ist der Tag ein weniger guter für Haas, dann könnte es allerdings eng werden.

Peter Gojowczyk – Marius Copil

Ein klassisches Erstrundenmatch bei einem Grand Slam, ergo eine große Chance für den Sieger auf wichtige Punkte und viel Preisgeld. Copil hat in seiner Karriere einen Grand Slam Hauptfeldsieg zu Buche stehen und Gojowczyk keinen. Beide haben sich ihre Sporen bisher vornehmlich auf der Challenger Tour verdient. Copil hat einen ordentlichen Bumms in den Grundschlägen, auch das Serve kann krachend sein. Doch an der Konstanz mangelt es fast immer. Das Jahr 2017 dürfte jedoch bisher das Beste in der Karriere von Copil sein – gerade auf Rasen überzeugte er. Gojowczyk hat es durch die Quali geschafft, und dass auf durchaus beeindruckende Weise. Aber um gegen Copil zu gewinnen, wird der 27-jährige wohl seine ganze Variabilität zeigen müssen.

Florian Mayer – Victor Troicki

Ein durchaus wichtiges Match für Florian Mayer, konnte er doch seinen Turniersieg in Halle nicht verteidigen. Mayer ist damit aus den Top 100 gerutscht, jetzt gilt es Punkte bei den Sommerturnieren einzustreichen – und vorher hier in Wimbledon. Die erste Runde gegen Troicki ist eine relative 50:50 Angelegenheit, und dass obwohl Mayer das bisher einzige Duell auf Rasen gewonnen hat. Aber Troicki ist ein zäher Kämpfer, ein relativ kompletter Spieler, der aber auf der Vorhand Probleme mit der Konstanz hat. Ein guter Tag beim Aufschlag sollte das Match zugunsten Mayers kippen.

Philipp Kohlschreiber – Marin Cilic

Von allen deutschen Spielern die schwerste Aufgabe erwischt hat Philipp Kohlschreiber. Das ist man aus den letzten Jahren gewohnt. Doch dieses Mal hat Kohlschreiber die Setzliste nicht nur knapp verpasst. Auch in der Jahresliste ist der Augsburger bisher nur auf Platz 44 notiert. Cilic überzeugte in Queens, zeigte wie gefährlich seine Kombination aus Bombast-Aufschlag und harten Grundschlägen sein kann. In den letzten drei Jahren stand der Kroate darüber hinaus in Wimbledon jeweils im Viertelfinale. Immerhin, was für Kohlschreiber spricht ist der direkte Vergleich. Dort führt der 31-jährige mit 6:3, auch wenn die meisten dieser Matches schon länger zurück liegen. Für Kohlschreiber wird es vornehmlich darum gehen, den eigenen Aufschlag zu beschützen. Unkonzentriertheiten gegen einen Spieler mit so starkem Serve wie Cilic können da schon matchentscheidend sein. Wenn Kohlschreiber in die Grundlinienduelle hereinkommt, wird er sich vornehmlich der Vorhand von Cilic annehmen. Dort kann der Kroate schlechte Tage haben. Aber es wird wohl einer besondere Leistung von Kohlschreiber bedürfen, um hier die Überraschung zu schaffen.

Andrea Petkovic – Dominika Cibulkova

Auch Andrea Petkovic hat eine gute Bilanz gegen eine Spielerin, die in der Weltrangliste wesentlich höher steht als sie – 4:1 lautet der direkte Vergleich für die Deutsche. In den letzten Wochen lief zudem nur wenig zusammen bei Cibulkova. Seit einer Handgelenksverletzung im Frühling ist die Slowakin in eine spielerische Krise gefallen. Vor allem in engen Matches schien Cibulkova zuletzt nicht nur der spielerische Rhythmus, sondern auch das Selbstvertrauen im Stich zu lassen. Das hat sich Petkovic zuletzt versucht auf der Challenger-Tour wieder zurück zu holen. Bei den Rasenturnieren in Ilkley und Southsea erreichte sie das Halb- und Viertelfinale. Petkovic wird das Match gegen Cibulkova als Chance auf einen wichtigen Sieg sehen. An der Intensität, um es mit Cibulkova aufzunehmen, dürfte es Petkovic nicht mangeln. Auch wenn das flache Spiel von Cibulkova eher für den Rasen gemacht ist als die Arbeitsschläge von Petkovic. Chancen wird sie wohl erhalten.

Ana Konjuh – Sabine Lisicki

Ein richtig schweres Los für Sabine Lisicki bei ihrer Rückkehr auf die ganz große Bühne. Konjuh wird dereinst um Grand Slam Titel spielen, auch wenn ihr dafür in 2017 noch die Konstanz fehlt. Mit ihrem langen Schwung auf der Vorhand sollte sich Konjuh wahrscheinlich schwerer tun auf dem Rasen, als dass der Fall ist. Aber wie sie beim Vorbereitungsturnier in Mallorca bei ihrem Sieg gegen Victoria Azarenka zeigte, nur ganz wenige Spielerinnen können den Ball so beschleunigen wie die 20-jährige. An guten Tagen ist sie fast unantastbar. Doch solche Tage sind noch rar gesät. Lisicki spielte solide wenn auch nicht überragend bei ihrem Comeback in Mallorca. Für sie wird es am Montag darum gehen, sich auf das eigene Serve zu konzentrieren. So viele erste Aufschläge in den Court bekommen wie möglich – das wird die Devise sein. Natürlich muss sich Lisicki bei all ihrem spielerischen Talent nicht hinter Konjuh verstecken. Aber ein schlechter Tag der Kroatin würde Lisicki wohl trotzdem zupass kommen.

Carina Witthöft – Mirjana Lucic-Baroni

Lucic-Barroni, die Überraschungshalbfinalistin bei den Australian Open, hat es bisher auf dem Rasen ruhig angehen lassen. Nur ein Vorbereitungsturnier bestritt sie und verlor prompt zum Auftakt gegen Monica Niculescu in Birmingham. Witthöft zeigte in den letzten Monaten Fortschritte, fand Kontrolle in ihrem Spiel, baute die Ballwechsel taktisch klüger auf. Ob sie allerdings allzu viel Taktik gegen Lucic-Barroni brauchen wird, ist fraglich. Oft kommt es gegen die Kroatin nur drauf an, wer den Court öfter trifft. Ein guter Aufschlagstag würde Witthöft natürlich nicht schaden, damit sie sich nicht vornehmlich auf die Fehler ihrer Gegnerin verlassen muss (die zugegebenermassen oft in hoher Anzahl kommen.) Insgesamt ein offenes Duell. Aber auch eine gute Chance für Witthöft, einen weiteren großen Namen bei einem Grand Slam Turnier zu ärgern.

Dienstag

Angelique Kerber – Irina Falconi

Kerber kann sich nicht beschweren, von der durchaus beeindruckenden Brigade an Qualifikantinnen hat sie eine der Angenehmeren zugeteilt bekommen. Falconi bringt viele Bälle zurück, verteilt die eigenen oft ganz wunderbar und doch ist sie relativ harmlos in der Spielgestaltung. Kerber hat das bisher einzige Duell klar in zwei Sätzen gewonnen. Auch dieses Mal dürfte sie wenig Probleme haben, dafür hat sie in Eastbourne und historisch auf dem Rasen zu gut gespielt.

Annika Beck – Polona Hercog

Das Jahr von Annika Beck kann bisher wohl als unauffällig beschrieben werden. In der Jahresrangliste wird sie auf Platz 117 verzeichnet, bei den meisten Tourevents gab es zuletzt frühe Niederlagen. Hercog kam erst vor kurzem auf die Tour zurück, qualifizierte sich hier in Wimbledon und gewann ein kleines Challenger-Turnier in Italien. Die Slowenin hat ein schönes, fast altertümlich anmutendes Spiel. Aber oft ist sie auch ineffektiv. Trotzdem geht Hercog sicherlich als leichte Favoritin ins Match, auch den einzigen direkten Vergleich hat sie gewonnen.

Julia Görges – Lesia Tsurenko

Görges spielte in Mallorca überraschend gut, erwischte aber zum Wimbledon-Auftakt ein relativ undankbares Los. Zwar gewann Görges gegen die Ukrainerin beim Fed Cup in Stuttgart, zog davor aber zwei Mal den Kürzeren. Tsurenko hat eine wunderbare Rückhand, kann den Ball vor allem auf schnelleren Belägen gut beschleunigen. Görges wird sich daher die Vorhand vornehmen, versuchen über den Aufschlag zu dominieren. Aber trotzdem ist Match – zumindest auf dem Papier – eine offene Angelegenheit.

Tatjana Maria – Anastasia Potapova

Auch Tatjana Maria muss sofort in Vollbeschäftigung übergehen. Denn die Deutsche bekommt es mit der Juniorinnensiegerin aus dem letzten Jahr zu tun. Die hat sich hier zudem noch souverän durch die Qualifikation gespielt. Wir haben sie bisher nicht häufig genug gesehen, um uns eine Einschätzung erlauben zu können. Aber die Statistiken lesen sich beeindruckend. Allerdings auch Maria überzeugt seit Wochen, gewann zuletzt das große Challenger-Turnier in Southsea und erreichte das Finale von Marseille. Macht sie so weiter, kann 2017 ihre bisher beste Saison werden. Einen weiteren Schritt könnte Maria am Dienstag nehmen – gegen eine Gegnerin, die schon in wenigen Jahren komplett außer Reichweite sein dürfte.

Mona Barthel – Coco Vandeweghe

Auf dem Papier einer der Höhepunkte der ersten Runde. Auf der einen Seite die rundum talentierte Barthel, die alle Mittel für den Erfolg auf schnellen Belägen hat. Auf deren Seite Vandeweghe, die hier sogar zu den Mitfavoritinnen gezählt werden muss, auch wenn sich nach dem Halbfinale bei den Australian Open mal wieder ins Stocken geriet. Bei ihrem einzigen Vorbereitungsauftritt auf Rasen konnte die Amerikanerin allerdings rundum überzeugen, ließ Landsfrau Christina McHale und Johanna Konta keine Chance. Danach verletzte sie sich gegen Garbine Muguruza. Trotzdem dürfte Vandeweghe bereit sein für ein Match mit offenem Visier, den Ball beschleunigen kann Barthel schließlich auch. Die ultimative Form und der Belag sprechen für Vandeweghe aber chancenlos ist Barthel sicherlich nicht.

Jan-Lennard Struff – Milos Raonic

Eine Los aus der Kategorie ganz unangenehm für Struff. Denn der letztjährige Wimbledon-Finalist Raonic ist zwar nicht in herausragender Form. Aber seinen Kanonaufschlägen entgegen treten möchte natürlich trotzdem niemand. So unterschiedlich sind die körperlichen Voraussetzungen bei Struff und Raonic natürlich nicht. Nur die großen Erfolge des Kanadiers sind Struff bisher verwehrt geblieben. Auch weil er nicht ganz so nervenstark ist wie Raonic, der zumindest zu besten Zeiten viele enge Matches für sich entschied. Will Struff überhaupt eine Chance haben, braucht er am Dienstag ganz viel Konzentration und Konstanz, keine Aussetzer beim eigenen Aufschlag. Die Aufgabe erscheint auf dem Papier zu groß. Aber Raonic kommt immerhin mit weniger Vorbereitungsmatches nach London als der Mann aus Westfalen.

Alexander Zverev – Evgeny Donskoy

Nur einer dieser beiden Spieler hat in diesem Jahr Roger Federer in einem offiziellen Tourmatch bezwungen, und dass war nicht Zverev. Mit etwas Fortune und viel Wagemut besiegte Donskoy in Dubai den Schweizer Australian Open Sieger. Donskoy kann auf schnellen Belägen ordentlich Gas geben, denn gerade mit der Vorhand kann er dort Druck machen. Aber gegen Zverev dürfte das nicht reichen. Der junge Deutsche ist viel zu flink und konstant und sollte letztendlich ungefährdet in die zweite Runde einziehen.

Mischa Zverev – Bernard Tomic

Zverevs älterer Bruder Mischa hat hingegen eine wesentliche härtere Aufgabe erwischt. Für ihn geht es gegen den Launenbär Bernard Tomic. Der hat das Talent um auf Rasen ganz große Dinge zu erreichen, seine Antizipationskünste, die flach verteilen Bälle – das ist auf Grass besonders effektiv. Aber seine Launen machen aus Tomic ein spielendes Fragezeichen. Letzte Woche in Eastbourne besiegte der Australier Mischa Zverev in zwei klaren Sätzen. In der nächsten Runde zog er mal wieder zu klar den Kürzeren. Tomic hat das Spiel um Zverevs Angriffstaktiken zu stoppen und auch dieses Mal könnte er klar gewinnen. Aber wahrscheinlicher ist ein enges Match, und da dürfte Zverev seine Chancen erhalten.

Daniel Brands – Gael Monfils

Monfils hatte in Eastbourne eine seiner besten Rasenwochen bisher, überzeugte weitestgehend auf dem Weg ins Finale. Trotzdem ist das hier durchaus eine Chance für Brands. Monfils, der Ausnahmeathlet bekommt alles zurück, auch auf dem Rasen. Aber wenn Brands gut aufschlägt, mit der Vorhand Druck macht, dann sollte er beim Serve des Franzosen seine Chancen erhalten. Brands tendiert dazu seine Höchstform nicht lange genug in Matches halten zu können, und falls das auch am Dienstag der Fall ist, dürfte er verlieren. Kann er sein Niveau jedoch halten, sind die Chancen auf eine Überraschung durchaus da.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.